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Das baden-württembergische Ochsenhausen ist ein Ort, der einen an alles andere als urbane Musik denken lässt, mit seinem mittelalterlichen Stadtkern und dem jährlichen Öchslefest. Aber es ist nun mal der Ort, in dem die Brüder Chelo und Samson Wieland das schwäbische Provinzlicht der Welt erblicken. Als Söhne eines deutschen Vaters und einer sambischen Mutter spüren die beiden Jungen die Stühle, zwischen denen sie stehen, spüren die sambische Kalindula-Musik auf der einen, den deutschen Schlager auf der anderen Seite, „Bin ich zu weiß für den Afroshop/ Aber zu schwarz für den Country Club/ Da wo du herkommst/ Bin ich perfekt für den Fußballplatz/ Aber zu schlecht für die Nachbarschaft/ Da wo du herkommst!“

Bis HipHop in das Leben der Brüder tritt – erst bei Chelo, der seine ersten Gehversuche als DJ und Produzent unternimmt, dann bei Samson, der seinen Bruder als Rapper begleitet und als Namensgeber ihrer Band SAM fungiert. Entgegen dem konservativen und erstarrten HipHop-Mindset der frühen 10er Jahre begreifen die beiden plötzlich ihre diversen Einflüsse als Stärke, mixen mutig Style und Sound, versprühen Leichtigkeit und Lebensfreude. Nach viel Buzz auf einschlägigen Blogs wird auch das Label Chimperator auf SAM aufmerksam, die sich nach dem Signing von Cro auf einen sonnigen Rap-Entwurf spezialisiert hatten und bei denen SAM sowohl ihr Debüt „Two True Brothers“ (2014) als auch den Nachfolger „Kleinstadtkids“ (2017) releasen. Die beiden veröffentlichen Single nach Single, gehen auf Tour, machen Promo – alles läuft gut, aber eben nur gut – der ganz große Erfolg bleibt aus. Die Wege mit Chimperator trennen sich, die Band versinkt in Existenzfragen.

Es folgen Orts- und Tapetenwechsel, Samson zieht es nach Berlin, Chelo nach München. Samson baut seine Songwriterkarriere weiter aus, schreibt für Lena Meyer-Landrut und Matthias Schweighöfer, Chelo arbeitet als DJ und macht seine ersten Erfahrungen im Fashionbereich.

Aber hier an diesem Nullpunkt spüren die beiden plötzlich keinen Druck mehr, keine Erwartungshaltung – und langsam kommt der Spaß an der gemeinsamen Musik zurück. Die beiden arbeiten wieder miteinander, im Studio, in diversen Dropboxen. JIVE Germany kommt mit an Bord und bietet SAM wieder eine Basis für Releases. Es soll eine erste EP kommen, „avision“ soll sie heißen. Aus Demos werden Skizzen werden Songs, aus Handynotizen werden Pressetexte, SAM spüren wieder das Feuer, dass sie aus der Provinz in die weite Welt gebracht hat.

Und dann kommt der November 2018 und Samson Wieland, die Stimme von SAM, stirbt mit nur 28 Jahren, völlig unerwartet und überraschend.

Es folgen drei Jahre Trauerarbeit. 2021 schafft Chelo Wieland es, wieder die geplanten Entwürfe und Songs zu hören. Er und JIVE Germany beschließen, die Songs als „Archiv“ zu veröffentlichen, als sanfte Erinnerung an die Band SAM. Und als riesiges Denkmal für einen Sound, eine Zeit, einen Vibe – und an den Menschen und Musiker Samson Wieland.

SAM

Just the two of us.